DAS BEOBACHTENDE BEWUSSTSEIN ALS SCHÖPFERISCHER FAKTOR

Über Interferenz, Formbildung und das Feld jenseits der Erscheinung

E​​​s gibt Experimente, die die Naturwissenschaft erschüttern, weil sie das Fundament berühren, auf dem unser Weltbild ruht. Eines davon ist das Doppelspaltexperiment. Es bringt die erstaunliche Erkenntnis mit sich, dass Materie sich nicht immer so verhält, wie wir es annehmen und zeigt, dass Wirklichkeit selbst keine so feste Größe ist, wie wir – naturwissenschaftlich geprägt – es voraussetzen. IVielleicht sollten wir auch in Erwägung ziehen, dass unsere Modelle von Wirklichkeit nicht so zutreffend sind, wie wir denken und deswegen dieses Experiment so rätselhaft erscheint.

 

I. Die Ambivalenz des Elektrons // Potentialität vor Form

Ein Elektron wird durch zwei Spalte »geschossen«. Solange niemand hinsieht, erscheint auf dem Schirm dahinter ein Wellenmuster, also ein Interferenzmuster.
Das Elektron verhält sich also, als würde es beide Wege zugleich nehmen, als sei es noch unentschieden, noch alles.

Wird jedoch registriert, gemessen, welchen Spalt es passiert, verändert sich das Bild und das lässt uns staunen: Die Welle kollabiert zu einer Teilchenspur! Das Elektron verhält sich nun wie ein Ding und kein Mensch weiß, warum. Die Interferenz verschwindet. Das bedeutet: Das Elektron existiert nicht vor der Beobachtung als Teilchen. Es wird zum Teilchen allein durch die Beobachtung.

Der Rückschluss heißt: Das Beobachten wirkt nicht nachträglich, sondern schöpferisch.

 

II. Der Beobachter ist Teil des Systems

Unser gesamtes Weltbild wird einmal komplett durchgeschüttelt. Die alte Vorstellung, es gäbe eine Welt, die einfach »da ist«, unabhängig davon, ob jemand hinsieht, wird brüchig und wir müssen erkennen, dass. der Beobachter, der bisher in unserer Denkweise eine vom Geschehen unabhängige Rolle einnahm, plötzlich keine außenstehende Funktion, sondern eine ins Geschehen eingreifende Rolle hat. Der oder das Beobachtende ist kein neutraler Zeuge sondern eine Funktion des Systems und demnach Teil dessen. Oder präziser:

Wirklichkeit entsteht erst im Akt des Beobachtens.

Materie ist ein Reaktionsphänomen, eine Antwort auf einen bewussten Bezug. Wirklichkeit wird nicht entdeckt, sondern durch das Einwirken, durch die reine Anwesenheit eines Beobachtenden, regelrecht hervorgebracht.

 

III. Das Feld – Ursprung aller Form

Den Zustand vor der Beoachtung könnte man als ein Feld der Möglichkeiten beschreiben, ein Kontinuum, das voller Potenzial existiert und geradezu darauf wartet, definiert, also erschaffen zu werden, wenn man so will. Dieses Feld der Möglichkeiten ist der schöpferische Hintergrund aller Erscheinung. Manche sagen, es ist Gott, der sich selbst durch seine Formwerdung erkennen will: Das Formlose wird Form.

Wenn man diesen Vorgang weiter denkt, bemerkt man, dass auch die neutralste Beobachtung eben doch kein neutrales Erfassen, sondern ein Schnitt in das Kontinuum ist, eine Markierung im Unendlichen setzt und dem Bewusstsein die Rolle gibt, aus dem Feld Struktur werden zu lassen.

IV. Form als Kondensation entlang innerer Muster

Was im Labor mit Elektronen geschieht, geschieht in unserem Leben fortwährend: Möglichkeiten kondensieren entlang unserer inneren Muster. Unsere Gedanken, Prägungen, kulturellen Raster und emotionalen Resonanzen formen das Feld, möglicherweise viel mehr, als wir uns jemals vorstellen können.

Die Wirklichkeit, die uns umgibt ist die Verdichtung einer bestimmten Frequenz und die Kristallisation eines Blicks. Wie verrückt ist das?

V. Wir erschaffen keine Realität sondern strukturieren Felder

Wenn wir jetzt behaupten, dass wir unswre Realität selbst erschaffen, ist vielleicht zu grob gesagt. Genauer wäre:

Wir bestimmen, wie sich das unendliche Potenzialfeld um uns herum organisiert.

Diese Strukturierung geschieht durch das gesamte Spektrum unserer Kohärenz, meint, durch unsere tiefsten Überzeugungen, unsere unbewussten Resonanzen, unsere emotionale Signatur. Der schöpferische Akt ist ein Zulassen und der Schaffende eine Art Durchlass für das Potenzial des unendlich großen Feldes. Viele Künstler haben diese Idee schon beschrieben, auch wenn sie sich dessen nicht immer bewusst gewesen sein mögen. So spricht z.B. Jonathan Meese davon die »Ameise der Kunst« zu sein und ihr bedingungslos zu dienen. Viele andere haben auch, vor allem über kreative Prozesse, ähnliches gesagt und geschrieben. Dass es gewissermaßen durch sie hindurch erschafft und sie so etwas wie der Eingang sind, durch den die Kunst sich in die Welt materialisiert.

Du bist nicht reiner Urheber, sondern Durchgang. Und je besser Du Dich selbst im Prozess zurücknehmen kannst, um so kräftiger wird der Ausdruck dessen, was durch Dich in die Wirklichkeit kommt.

 

VI. Der Blick als Gestaltungsmacht

Wenn Du das erkennst, verschiebt sich alles, denn verstehst Du, dass es eben nicht Dein Ego ist, nicht Deine aktive Anstrengung oder Dein Wunsch, der die Form erschafft, sondern Deine aufmerksame und gleichzeitig demütige, neugierige, zurückhaltend ergründen-wollende Wahrnehmung.

Schon im Tao Te Ching, das vor über zweieinhalbtausend Jahren verfasst wurde, heißt es: »Um etwas zu halten, musst du zuerst deine Hand öffnen. Lass los.«, was darauf hindeutet, dass man sich damals schon dieses schöpferischen Prinzips bewusst gewesen sein könnte: Dass Form erst dort entsteht, wo eine Absicht formuliert wurde und man ebendiese Absicht dann loslässt.

Und umgekehrt ausgedrückt: Was Du emotional nicht für möglich hältst, wird eher auch nicht eintreten. Henry Ford sagte dazu:

»Egal ob Du glaubst, dass Du etwas kannst oder es nicht kannst, Du hast Recht.«

Wirklichkeit folgt der Aufmerksamkeit.

Darum: Beobachte mit Klarheit.

Erwarte bewusst.

Und reinige Deinen Blick, bevor Du ihn richtest.

Denn das, was Du siehst, entsteht im Sehen.

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